Das Spiel des Lebens liefert Erkenntnisse und Impulse
- Pro:
- Therapiekonzept, Familienwoche, Umgebung
- Kontra:
- Zu Wenig Vorsorge für den Übergang und die Zeit nach der Klinik
- Krankheitsbild:
- Depressionen, Borderline
- Privatpatient:
- nein
- Erfahrungsbericht:
-
Die Klinik ist kein magischer Ort, der Menschen (komplett) ändert oder heilt! Diese Arbeit muss ich selbst übernehmen und nach diesen (in meinem Fall) 8 Wochen habe ich wieder mehr das Gefühl, dieser Herausforderung gewachsen zu sein, das war vor der Klinik nicht denkbar!
"Wir spielen hier Leben", fasst meine Erfahrungen in der Hochgratklinik gut zusammen, "nur mit stark vereinfachten und klareren Regeln als draußen, einem sehr limitierten zeitlichen, strukturellen und inhaltlichen Rahmen und den denkbar günstigsten und entlastendsten Rahmenbedingungen, die man sich vorstellen kann: Ca. 100 Menschen haben keine Pflichten (Teilnahme am Therapeutischen Angebot ausgenommen!) und so den den ganzen Tag Zeit, auf ihre Weise miteinander zu interagieren und sich in diesem entstehenden Spannungsfeld den ganzen Tag selbst zu begegnen.
So kann die Klinik wirklich zu einem "Ort der Achtsamkeit und des Erwachens" werden - vorausgesetzt, man taucht in die Gemeinschaft ein, lässt so schnell wie möglich die gewohnte Alltagsrolle ("Fassade") fallen und zeigt den anderen Mitmenschen das, was sonst niemand sehen darf, dann ist Veränderung möglich.
Durch das geniale "Gemeinschafts"-Therapiekonzept habe ich schmerzlich deutlich verstanden, wie ich selbst zu meiner Vor-Klinik-Situaiton beigetragen habe, da hätte ich in einer ambulanten Gesprächs-Psychotherapie Jahre drüber reden können, es wäre nicht so effektiv gewesen. Ich habe wertvolle Einsichten und Impulse bekommen, wie ich mein Leben in Zukunft anders gestalten kann, um langfristig eine zu mir passende Perspektive zu finden und mit den Herausforderungen der modernen ("normalen") Welt umzugehen.
Ich hatte außerdem das Glück, mit meinem Vater an der Familientherapiewoche teilzunehmen. Das sehr erfahrene Familien-Team hat es geschafft, Muster und Gefühle zum Vorschein zu bringen und greifbar zu machen, die 20 Jahre lang nicht verstanden und jetzt endlich gefühlt wurden. Einen Extra-Dank an alle Familientherapeuten in Haus Nr.2!


1 Kommentar
Sehr geehrte/r AnK4,
wir möchten Ihnen von Herzen danken für Ihren differenzierten Bericht und die offene und reflektierte Auseinandersetzung mit Ihrer Erfahrung in unserer Klinik.
Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass Sie sich noch einmal die Mühe gemacht machen, uns nun eine so wertschätzende Bewertung zu senden.
Es ist nicht immer einfach, schwierige Situationen anzusprechen, und ich finde es beeindruckend, wie ehrlich Sie sowohl die positiven als auch die schwierigen Aspekte ihrer Erfahrung in einem sehr ausgewogenen Licht darstellen. Dass ein solcher Austausch möglich ist, erfüllt uns wirklich mit großer Freude und Dankbarkeit!
Mit herzlichen Grüßen
Friederike Mutschler
Dipl. Psych. / Psychologische Psychotherapeutin
Leitung Qualitätsmanagement